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Chinesische Gärten

Die Schönheit der Gärten auf einem Blick

Eine der grossen Sehenswürdigkeiten der chinesischen Kultur sind die Gärten. Jeder, der schon einmal einen echten chinesischen Garten besucht hat, wird sich erstaunt zeigen über die Vielfalt der Gestaltungsmerkmale und die Poesie in vielen Details.

Bedeutung
Es gibt zwar einige Regeln, die einen klassischen chinesischen Garten ausmachen, doch werden diese immer wieder neu interpretiert und haben sich über die Jahrhunderte weiter entwickelt.

Die chinesischen Gärten waren immer viel mehr als nur eine Ansammlung von Pflanzen, Bäumen und kleinen Landschaften. Ursprünglich ein Zeichen von Reichtum, haben sich die Gärten in der Philosophie zwischen Tao und Qi entwickelt und gelten heute als Ausdruck tiefer Poesie. Im Gegensatz zu Gärten in der westlichen Welt waren die Gärten in China immer etwas privater, abgegrenzter und ruhiger.

Aufbau des Gartens
Das traditionelle Design der Gärten war immer bestimmt von Harmonie und dem Zusammenspiel von Architektur und Umgebung. Die Entstehung der Gärten lässt sich auf zwei Ursprünge zurück führen: ‚Yuanyou‘ und ‚lingtai‘. ‚Yuanyou‘ war eine Art Jagdplatz für chinesische Kaiser, jeweils unterteilt in natürlichen und kultivierten Teil. Auf diesen Plätzen wurden oftmals ‚lingtai‘ gebaut, gemauerte Plattformen, die den Kaiser näher zum Himmel und den Gottheiten führen sollten.

Dieses zugrunde liegende Muster wurde immer behutsam weiterentwickelt. Die Regeln wurden erstmals durch den Poet Bai Juyi (772-7846) aus der Yang Dynastie nieder geschrieben,  einige Eckpunkte der Gartengestaltung sind auch heute noch die selben:

Ästhetik

Eine grosse Errungenschaft der chinesischen Gartenbauer liegt im Zusammenführen von vielen verschiedenen Ideen und Stile aus unterschiedlichsten Quellen. Diese miteinander in Einklang zu bringen war eine grosse Herausforderung, hatte aber zur Folge dass die Gärten trotz ihrem Reichtum an Gestaltung sehr harmonisch sind. Weitere Eckpunkte sind:

Architektur:
Chinesische Gärten beinhalten immer auch Gebäude. Ob grosse oder kleine Anlagen, meist sind zwischen 20 und 30% der Fläche mit Gebäuden belegt. Wichtig ist dabei der so genannte Tingtang, entstanden aus Ting und Tang. Ting bezeichnet einen Platz um zu diskutieren und Tang einen hellen, sonnigen, grossen Platz. Dieser meist sehr streng gezeichnete, aber manchmal auch sehr üppig verzierte Haustyp wird üblicherweise an exponierten Lage als erstes platziert, vorzugsweise in der Mitte einer offenen Fläche. Davon entsteht der xuan, eine Art Sitzplatz vor dem Gebäude, um die Aussicht auf den übrigen Garten zu geniessen. Ein weiteres ‚Ting‘ kann als Rastplatz genutzt werden und erinnert am ehesten an einen klassischen chinesischen Pavillon. Oftmals ist auch ein ‚Xie‘ oder ‚shuixie‘ vorhanden, meist ein Gebäude auf oder an einem Wasserlauf resp. einer Terrasse am Wasser. Ein weiteres wichtiges Element ist ein ‚Langzi‘, eine Art überdachter Weg, der durch den Garten führt. Wege sind grundsätzlich unverzichtbarer Teil eines Gartens in China.

Steine:
Die Gestaltung mit Steinen ist ein weiteres wichtiges Element. Hier können natürliche Steine zu einem kleinen Berg aufgetürmt sein, gerade Mauern gebaut, Skulpturen geformt oder Bereiche abgetrennt, kleine Höhlen oder Täler und Brücken gebaut werden. Die Möglichkeiten sind sehr zahlreich.

Wasser:
Dies ist die Seele aller Gärten. Wasser reflektiert den Himmel, die Bäume, Blumen und Häuser und gibt die Illusion einer grösseren Anlage wieder. Es beherbergt Lotuspflanzen und Fische und lässt durch verschiedene Klänge wie plätschern, fliessen oder tropfen eine eigene Atmosphäre entstehen. Bassins, Seen, Brunnen oder kleine Flüsse sind daher unverzichtbar. In kleinen Gärten ist oftmals ein Wasserfall anzutreffen. Durch den Klang und das kaskadenartige Fallen von Wasser wird die Bedeutung von Wasser auch in kleinem Rahmen vergrössert.

Pflanzen:
Sie stehen durch ihr Leben, Vitalität und Wachstum für die ursprüngliche Natur. Es kann Jahre dauern, bis Pflanzen sich zu einem grossen Bild im Sinne des Erbauers zusammenfügen. Sie können durch Färbung und Blüten auch die Jahreszeiten symbolisieren.

Berühmte Gärten in China

Der Lingering Garten in Suzhou. Ursprünglich von einem Minister aus der Ming-Dynastie erbaut. Wurde während der Regentschaft von Kaiser Jiaqing (1796-1820) umgebaut und erhilet vorübergehend den Namen ‚kaltes grünes Dorf‘. Mittlerweile wieder in Lingering umbenannt, weil sich dies im Chinesischen wie der Vorname des Besitzers Liu anhört. Auf einer Fläche von 2  Hektaren sind alle Details einer klassischen chinesischen Gartenarchitektur zu sehen.

Der Yuyuan Garten in Shanghai. Im nordöstlichen Teil der Altstadt von Shanghai gelegen, erbaut im frühen 17. Jahrhundert von der späten Ming Dynastie. Der 4,7 Hektar grosse Garten ist vor allem bekannt für seine verschiedenen historischen Gebäude, wie zB die Sansui Hall. Dieses Gebäude erreicht eine Höhe von 14 Metern und ist aus tausenden gelben Steinen aus Wukang erbaut. Die Dächer und Mauern sind mit Ornamenten reicht verziert. Der Blick vom Gebäude über den Teich offeriert eine Ansicht in einen spektakulären Garten.

Lion Grove Garden in Suzhou. Vor rund 650 Jahren ursprünglich als Tempel von Tianru, einem prominenten Mönch aus der Yuan Dynastie, erbaut. Erhielt seinen Namen von Steingebilden, die wie geduckte Löwen aussehen. Auf den 1,1 Hektaren befindet sich auch das Stammhaus der Pei Familie, den zweitgrössten Landbesitzern in Shanghai zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Der Steingarten mit 9 gewundenen Wegen und 21 Höhlen erinnert schnell an einen kleinen Irrgarten. Kaiser Qianlong aus der Qing-Dynastie war so begeistert von diesem Garten, dass er 2 identische Gärten in der verbotenen Stadt in Peking und bei seinem Sommerhaus anlegte.

Der Surging Waves (Canglang) Pavillon im Süden von Suzhou. Das chinesische Wort für ‚Garten‘ hat viele andere Bedeutungen, unter anderem ‚Pavillon‘.  Und in diesem Garten zeigt sich die Bedeutung des Pavillons sehr deutlich. Ursprünglich von der Song Dynastie erbaute, erfolgten über die Jahrhunderte einige Besitzerwechsel und Umbauten. Trotzdem gehört den Garten eindeutig zu den grössten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung und ist einer der wenigen Gärten, in denen man alle Bereiche auf Fusswegen erkunden kann und die über 20 Bambusarten bestaunen kann.

Beihai Park in Peking. Ein unverwechselbares Beispiel eines städtischen Gartens und mit seiner leuchtend weissen tibetanischen Pagode wohl einzigartig. Der Garten  galt vielen Kaisern als Rückzugsort am Fluss, um der vermeintlichen Enge der verbotenen Stadt zu entkommen. Erst die königliche Familie der Qing Dynastie benütze den Garten nicht mehr und zog es vor, jeweils aus der Sommerhitze Pekings aufs Land zu flüchten. Mit einer Grösse von 7 Hektaren gehört der Beihai Park zu den weitläufigsten Parkanlagen in Peking und zeigt mit seinen vielen verspielten Details ein wenig die Vorstellung der Chinesen vom Paradies.

Sommer-Palast in Peking. Ursprünglich Qingyi Garten genannt, ist mit einer Länge von 20 Kilometern der wohl grösste Park. Die Bauzeit betrug ab 1751 stolze 15 Jahre und kostete ursprünglich 4 Millionen Tael – eine riesige Summe nach heutigen Massstäben. Ein Musterbeispiel von einer Gartenarchitektur in einer ursprünglichen Landschaft.

Der Geyuan Garten in Yangzhou. Ein kleiner Garten von 0.6 Hektaren, erbaut im frühen 19. Jahrhundert, welcher die Stile von Nord- und Südchina zeigt. Der Name kommt von Zhu, chinesisch von Bambus. Und Bambus ist einer der Hauptgestaltungmittel in diesem Garten. Ausserdem ist der Garten bekannt für die Steingärten mit schön arrangierten Aussichten. Durch die gelungene Komposition ist ein Besuch zu jeder Jahreszeit zu empfehlen.

Besuch und Philosophie
Nehmen Sie sich Zeit, wenn Sie einen chinesischen Garten besuchen. Auch wenn eine Gesamtansicht der Anlage schon sehr beeindruckend scheint – erst die vielen scheinbar kleinen Details, die Sie bei einem Rundgang entdecken, zeigen Ihnen was einen chinesischen Garten wirklich ausmacht. Geniessen Sie den Moment an einem Wasserlauf oder in einem Teehaus mit Blick in den Garten. Denn die Philosophie der chinesischen Gärten besagt, dass die so genannten ‚sieben Dinge‘, also Erde, Steine, Wasser, Himmel, Pflanzen, Wege und Gebäude im Dienste des Menschen stehen. Und der Mensch, als achter Teil, kann durch und mit den sieben Dingen zu vollkommener Harmonie finden.

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